Politischer Islam − Stresstest für Deutschland / Susanne Schröter

Auf die Publikation »Politischer Islam − Stresstest für Deutschland« von Susanne Schröter wurden wir durch verschiedene brisante mediale Berichterstattungen in Zusammenhang mit einer im Mai 2019 von der Autorin in den Räumlichkeiten der Frankfurter Goethe-Universität organisierten Konferenz  aufmerksam.

Großer Wirbel um die Autorin

Bereits im Vorfeld hatte diese unter dem Motto »Das islamische Kopftuch – Symbol der Würde oder der Unterdrückung?« anberaumte Tagung für aufgeregte Diskussionen und Proteste gesorgt. In einer in sozialen Netzwerken anonym gestarteten Kampagne wurde Susanne Schröter antimuslimischer Rassismus unterstellt. Mit diesen Vorwürfen versuchten die Initiatoren nicht nur, die Veranstaltung als solche verhindern, sondern verbanden damit auch noch darüber hinaus die Forderung, die couragierte Ethnologie-Professorin aus ihrem Amt zu entlassen. Besonderen Anstoß nahmen die Opponent*innen offenbar  an den geladenen Referenten, zu denen u. a. die bekannten Frauenrechtlerinnen Alice Schwarzer und Necla Kelek zählten.

Da sich jedoch das Präsidium der Uni und der allgemeine Studierendenausschuss (AStA) sowohl hinter die Islamexpertin als auch hinter die Veranstaltung stellten und öffentlich ihre Solidarität bekundeten, fand die Konferenz trotz des Boykotts planmäßig statt und erfreute sich großen Anklangs.

„Der politische Islam ist ein Gegenentwurf zur säkularen Moderne und den Freiheitsrechten des Individuums.”

Mit diesem Zitat startet das I. Kapitel des aufklärerischen Sachbuchs, in dem sich zunächst alles um

›Die historischen Ursprünge des politischen Islams‹

dreht, — sowie die interessante Frage, was »politischer Islam« konkret bedeutet. Die Autorin betont ausdrücklich, dass es hier nicht um ›den‹ Islam an sich geht, den es − nach ihren Worten − im Singular gar nicht gibt, sondern um eine spezifische Ausprägung dieser Religion, die auf die totalitäre Umgestaltung des Politischen und auf eine Unterwerfung von Gesellschaft, Politik und Recht unter islamistischen Normen zielt. Aufgrund der inhaltlichen Übereinstimmungen verwendet sie in ihrer Publikation die Begriffe »Islamismus« und »politischer Islam« synonym, spricht im Adjektivischen von »islamistisch« und bezeichnet die Vertreter des politischen Islam als »Islamisten«.

(Neo)Fundamentalismus und islamistische Organisationen

Susanne Schröter: Politischer Islam − Stresstest für Deutschland

Erfahren Sie − sowohl im ersten als auch im III. Kapitel der Lektüre − jede Menge Wissenswertes über fundamentalistische islamistische Ideologien wie den ›Wahhabismus‹ und den ›Salafismus‹ sunnitischen Ursprungs,  sowie alles über die Entstehung und die aktuelle Rolle der sogenannten ›Muslimbruderschaft‹ (auch kurz ‹Muslimbrüder‹ genannt) und ihre Aktivitäten auch hierzulande. „So übt diese Organisation” − wie Susanne Schröter auch jüngst in einem online bei »Die WELT« erschienen Artikel zitiert wird − einen „beträchtlichen Einfluss” aus.

Im II. Kapitel beschäftigt sich Susanne Schröter mit dem globalen Siegeszug des politischen Islam, explizit mit ›Islamisten an der Macht‹,  ›dem Abschied des lächelnden Islam in Südostasien‹, den ›neo-osmanischen Träumen in der Türkei‹ und der ›islamistischen Revolution im schiitischen Iran‹. Den beiden letzteren ebenso komplexen wie brisanten Themenbereichen widmet sich die Autorin noch einmal ausführlich in den Kapiteln IV ›Türkischer Islamismus in Deutschland‹ und V. ›Der lange Arm der iranischen Mullahs‹. Interessant, hier aus dem Mund einer kompetenten Kennerin der Szenerie näheres über das Agieren türkischer Nationalisten, Bündnisse wie die ›Grauen Wölfe‹, die Aktivitäten eines Rockerclubs, sowie über die gut strukturierten, oft erst bei genauerem Blick hinter die Kulissen sichtbaren Vernetzungen und den politischen Einfluss von mittlerweile allgemein bekannten Organisationen wie DITIB und/oder Milli-Görüs zu erfahren. Das Thema

Krieg im Namen des Islam

bzw. Dschihadismus wird in Kapitel IV. aufgegriffen und  ›Die Unterwerfung der Frauen‹ samt ›Gehorsam und häusliche Gewalt‹, ›Mord im Namen der Ehre‹ und ›die Sündhaftigkeit des weiblichen Körpers‹ im VII. Abschnitt.  Im VIII. Kapitel geht es um Konfliktzonen, ›religiöses Mobbing und Gewalt in Schulen‹, ›die Instrumentalisierung des Fastens und Betens‹, ›islamischen Extremismus bei Geflüchteten‹. Und − last but not least − natürlich um den seit gut zwanzig Jahren schwelenden ›Kopftuchstreit‹, der spätestens seit Kopftuch und Hidschāb in der muslimischen Community immer mehr Anhängerinnen gefunden haben, die Gemüter erhitzt und landauf landab in Pro und Contra spaltet.

Der schwierige Kampf gegen Antisemitismus

Im vorletzten Kapitel IX warnt die Autorin vor der tabuisierten Bedrohung ›muslimischer Antisemitismus‹. Denn eine ständige Gefahr in diese Richtung geht längst nicht nur − wie jüngst manche Politiker*innen nach dem furchtbaren Terroranschlag, der am Jom Kippur-Fest jüdischen Mitbürgern in der Synagoge in Halle gelten sollte, Glauben machen wollen − wie in diesem Fall von verblendeten, radikalisierten Antisemiten, wie dem zum Glück schnell gefassten deutschen Rechtsextremisten Stephan B., aus.

Deutschland und der politische Islam

Im letzten Kapitel behandelt Susanne Schröter Brisantes, wie  ›die ungebrochene Faszination des Radikalen‹, rät von ›Islamisten als Kooperationspartnern‹ ab und bringt Vorschläge zu ›Herausforderungen und Leitlinien einer zukünftigen Islampolitik‹ zur Sprache.

Unser Fazit: Wer dem politischen Islam, seinen komplexen Hintergründen, seiner extrem patriarchalen, sowie grundlegend auf Heterosexualität ausgerichteten Positionierung und einer  − nicht zuletzt aus diesem Grund − nicht zu unterschätzenden Gefahr für unsere moderne liberale, säkulare Gesellschaft nicht blauäugig begegnen will, dem sei die Lektüre des Sachbuchs

Politischer Islam − Stresstest für Deutschland

(ISBN 978-3-579-08299-8) unbedingt empfohlen.

Die 384 Seiten starke Publikation mit vielen Literaturhinweisen und unterstützenden Anmerkungen ist als Hardcover-Ausgabe mit Schutzumschlag am 26. August 2019 zum Preis von € 25,00 im Gütersloher Verlagshaus (GTVH) erschienen.

Verlagsinfo