Nordische Mythen und Sagen / Neil Gaiman

Nordische Mythen und Sagen / Neil Gaiman
Nordische Mythen und Sagen / Neil Gaiman

In seiner Publikation Nordische Mythen und Sagen erzählt Neil Gaiman − ein bekannter britischer Autor zahlreicher Science-Fiction- und Fantasygeschichten, Comics und Drehbücher − alte Geschichten für einen »neuen Jungen«, den er in seiner Widmung ›Everett‹ nennt.

Auch der Autor selbst hatte seine erste Begegnung mit »Asgard«  und seinen Bewohnern als kleiner Junge im Alter von sieben Jahren. Seitdem haben mächtige mystische Göttergestalten wie Odin , Thor  und Loki  für ihn nichts an Faszination verloren, so dass mit der »Neuerzählung«

Nordische Mythen und Sagen

  ein Traum für ihn wahr geworden ist.

„Ein mitreißender Sagenschatz”

urteilte Deutschlandfunk Kultur bei Erscheinen des Buches. „Mit ›Nordische Mythen und Sagen‹ legt der britische Autor Neil Gaiman eine Nacherzählung vor, die von ideologischem Ballast befreit und auch noch witzig ist. Ein einfacher und unbefangener Einstieg in die alten Geschichten”, hebt  Redakteurin Elena Gorgis in ihrer Rezension lobend hervor. „Er schmückt nichts aus und hält sich strikt an den Kern der Sagen.” Dem können wir nur beipflichten.

Nach einer kurzen Einleitung stellt der Autor dem Leser in den ersten drei Kapiteln die wichtigsten Götter und ihre zum Teil monsterhaften Gegenspieler vor und erklärt die wichtigsten Grundlagen und Zusammenhänge, auf denen die 13 von ihm »neu« nacherzählten ›Nordischen Mythen und Sagen‹ beruhen.

Der gesamte Kosmos der nordischen Mythen und Sagenwelt wird durch den riesigen Weltenbaum ›Yggdrasill‹ verkörpert. Zwischen seinen weitverzweigten Ästen tummelt sich das Eichhörnchen ›Ratatosk‹, in seinem Schatten äsen die vier Hirsche ›Dain‹, ›Dwalin‹, ›Duneyr‹ und ›Durathror‹ − und hoch oben in den Zweigen lebt der allwissende Adler ›Hräsvelgoft (oft auch ›Räsvelg‹ genannt), zwischen dessen Augen wiederum der allsehende Habicht ›Wedrfolnir‹ seinen Platz hat. Das Reich unter seinen Wurzeln, die von den drei Quellen ›Urd‹, ›Mimir‹ und ›Hvergelmir‹ gespeist werden, teilt sich in drei Ebenen mit neun Welten auf:

Auf der obersten Ebene befinden sich

Nordische Mythen und Sagen / Neil Gaiman ("Walhalla" bei Regensburg)
„Walhalla“ bei Regensburg
  • Asgard, die Welt der Asen (Heimstatt der Götter und Göttinnen) samt ›Walhalla‹, der Halle der toten Krieger. ›Bifröst‹, die flammende Regenbogenbrücke, verbindet das Reich der Götter mit ›Midgard‹, der Wohnstätte der Menschen. Am höchsten Punkt des Götterpalastes thront Göttervater ›Odin‹, umgeben von seinen Tieren, den Wölfen ›Geri‹ und ›Freki‹ sowie den Raben ›Hugin‹ und ›Munin‹,
  • Vanaheim, die Welt der Wanen (auch Vanen, die ›Glänzenden‹ genannte ältere Gottheiten u. a. der Fruchtbarkeit und des Ackerbaus), und
  •  Alfheim (auch Ljossalfheim oder Liusalfheim genannt)  — Die Welt der Lichtalben.

Weiter darunter schließt sich

  • Midgard, die Mittelwelt (das Reich der Menschen) — umgeben von einem riesigen Ozean, der von Lokis Sohn ›Jörmungandr‹, der riesigen Midgardschlange, umschlossen ist,

an und stufenartig immer weiter abwärts − bis tief hinab in die Unterwelt − folgen

  • Jotunheim, die Welt der Riesen mit der großen Festung ›Utgard‹,
  • Muspellsheim, das Land des alles verschlingenden Feuers, der Flammen und der Feuerriesen — der Gegenpol zu  Nilfheim, der dunklen Nebelwelt,
  • Svartalfheim, die Welt der Schwarzalben oder Dunkelzwerge − zu der lt. Neil Gaiman auch Nidavellir, das Land der Zwerge mit dem goldenen Saal gehört − ,
  • Niflheim, die neblige, dunkle Welt des ewigen Eises, der Gegenpol von Muspellsheim. Hier haust der Drache  ›Nidhögg‹.  Und − last but not least:
  • Helheim, das von Königin ›Hel‹ (einer Tochter von Loki) beherrschte Totenreich.
Ragnarök, die Götterdämmerung

Ungewöhnlich an der vor Urgewalten wie Feuer und Eis, Riesen, Walküren, Zwergen, Alben (Elfen) und Ungeheuern wimmelnden nordischen Mythenwelt ist, dass die Götter − im Gegensatz zu den Göttern anderer Urvölker − nicht unsterblich sind, sondern dass ein Großteil der ihren im letzten, ›Ragnarök‹ (Schicksal der Götter) genannten Kampf fällt. Auch Göttervater Odin findet in dieser Schlacht sein Ende in den Klauen und zwischen den Zähnen des riesigen ›Fenriswolfes‹, einem weiteren von Lokis monsterhaften Kindern.

Am Ende der 253 Seiten umfassenden, von André Mumot  aus dem Englischen übersetzten Lektüre werden im Glossar noch einmal alle im Buch vorkommenden mystischen Figuren, Orte und sonstigen wichtigen Objekte mit uraltem Kultstatus aufgelistet.

Renaissance der alten nordischen Mythen und Sagen im 21. Jahrhundert

Unser Fazit: Ein interessantes Buch für Menschen, die Interesse an alten Mythen, Sagen und Fantasyliteratur haben. Beim Lesen der Erzählungen stellt man immer wieder fest, dass viele Örtlichkeiten, Kultstätten, Gegebenheiten und mystische Wesen große Parallelen zu den bekannten und erfolgreich verfilmten Tolkien-Romanen ›Der Herr der Ringe‹ sowie ›Der Hobbit‹ aufweisen und offensichtlich auch bei der populären US-Serie ›Game of Thrones‹ (nach der Romanreihe ›Das Lied von Eis und Feuer‹  von George R. R. Martin) Pate gestanden haben.

Neil Gaimans Werk

Nordische Mythen und Sagen

(ISBN 978-3-8479-0636-0) ist als gebundene Ausgabe mit Schutzumschlag und Lesebändchen in dem zur Bastei-Lübbe-Gruppe gehörenden Eichborn Verlag zum Preis von € 22,00 erschienen.

Interessierte Leser können den Autor auch auf seiner Homepage  besuchen.

Verlagsinfo

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