Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot / Florian Herb

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Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot / Florian Herb

Pünktlich zum 23. April, dem 500. Geburtstag des Reinheitsgebots von 1516 lag auch Florian Herb’s neuer Roman mit dem originellen Titel »Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot« vor. Sein vorerst 4. Streich, wie er ihn selbst nennt.

Gern haben wir sein neues Buch gelesen und die weiß-blaue Geschichte rund um

Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot

als Lesetipp für unsere Webseiten-Besucher zusammengefasst:

Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot

Ja Herrschaftszeiten! Was ist denn bloß in Ried (einer kleinen Gemeinde irgendwo im Allgäu) los? Ausgerechnet zum Jahr des Bieres und weiteren wichtigen traditionellen runden Jubiläen & Brauchtumsfeierlichkeiten, sticht den örtlichen Bierbrauer der Hafer, oder besser die Gerste. Er will nicht mehr brauen. Und das, wo sich Landesvater Franz Meersburger extra aus München angesagt hat und das Spektakel obendrein als geballtes bayrisches Jahrhundertereignis weltweit live übertragen werden soll. Nein, so wird das nix. Weder mit der in Aussicht stehenden neuen Ortsumgehungsstraße, noch mit dem ortsüberlebenswichtigen Touristik-Marketing.

Kurz um: Im beschaulichen Örtchen braut sich nichts Gutes zusammen: Florian Herb’s schrulliger urbayrischer Bierbrauer Aloisius Gschwender schwankt bedenklich von einem Extrem ins andere. Erst scheinen bei dem seit zwei Jahrzehnten von Frau und Kindern verlassenen Trunkenbold Hopfen und Malz verloren zu sein, dann ist er plötzlich hochmotiviert, um dann − zum Schrecken der gesamten Bürgerschaft − vom Finanzamt und einem intriganten ortsansässigen Lobbyisten scheinbar vollends aus der Bahn und seiner heruntergekommenen Brauerei geworfen zu werden. Wenn, − ja wenn da nicht seine in Hamburg unglücklich verheiratete Tochter Maria wäre!

Der kommen die kurzentschlossen vor Weihnachten angereisten resoluten Riedener Landfrauen gerade Recht, und es kostet sie wenig Überwindung, zusammen mit ihnen und ihrem noch nicht ganz stubenreinen Vierbeiner »Pongo«, Haus und Ehemann hinter sich zu lassen. So kommt es, dass sich Maria nicht nur real, sondern auch gefühlsmäßig immer weiter vom tristen Hamburger Alltag in Richtung Allgäu entfernt.

Es macht Laune zu lesen, wie der Allgäuer Florian Herb Marias unverhofftes Wiedersehen mit ihrer alten Heimat und ihrem frustrierten Vater schildert: Statt Restbestände der urigen, teuflisch-guten selbstgebrauten Gschwender »Erhellung«, gibt’s für den alten Zecher jetzt erst einmal Hühnersuppe, Rinderbrühe und Kräutertee satt. Und von da an geht’s wieder bergauf mit dem Brauhaus. Im zünftigen Lodenmantel und mit feschem Trachtenhütchen aus Mutters Kleiderschrank fährt Maria im alten Gschwender Bierlaster quer durchs Allgäu, um Aloisius Außenstände bei säumigen Wirten einzutreiben. Schließlich braucht man für’s Brauen jede Menge frische Zutaten. Und zwar die besten (die es freilich in München nicht umsonst gibt); − und auch das Finanzamt will vorerst ruhiggestellt werden.

Dann kann es endlich mit dem Bierbrauen nach alter Familien-Rezeptur losgehen, dass es eine Freude ist. Ja isses denn möglich! Kurzerhand wird das trinkfeste, abtrünnige Gehilfentrio Isidor, Magnus und Klemens durch Tochter Maria und die drei ortsansässigen Asylbewerber Joseph, Oumar und Amadou aus dem fernen Senegal ersetzt. Ja, im schönen Ried klappt’s mit der Integration. Hier treffen heimische Brauchtümer und fremde Kulturen harmonisch aufeinander und ergänzen sich auf’s Wunderbarste.

So entsteht im alten Brauhaus in gemeinschaftlicher schweißtreibender Arbeit, − aus reinstem Quellwasser vom Berg, sowie Gerste, Hefe, Hopfen und Malz − ein süffig-würziges urbayerisches Bier. Und zwar in echter Handarbeit ohne moderne technische Finessen. Ein wahrer »Erheller«, gebraut nach dem Reinheitsgebot, dem nur der zur Abstinenz übergetretene Brauer selbst widerstehen kann. Zugegeben: So ›gaaanz‹ hält sich der kauzige Gschwender Aloisius nicht an die strengen Vorgaben: Der findige Brauer mischt nach seinem alten, strenggeheimen von Generation zu Generation überlieferten Familienrezept noch einige Zutaten aus Wald und Wiese bei, die sein Gebräu erfreulich von modernen 0815-Biersorten vom Fließband abheben.

Zum Schluss heißt es »Ende gut, alles gut«. Pünktlich zum Festtag findet sich alles zum Besten, und bald strahlt in Ried nach stürmischem Schneetreiben auf (fast) allen Gesichtern wieder die Sonne am weiß-blauen Himmel. Mit

Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot

ist Autor Florian Herb ein weiterer unterhaltsam und kurzweilig zu lesender Roman über Optimisten für Optimisten gelungen. Ein Hoch auf tüchtige Frohnaturen wie Maria, die unverdrossen ihre Frau steht und Nägel mit Köpfen macht. Angefangen von der heilsamen Flucht aus Hamburg, über ihre Rückkehr zum Ursprünglichen, in die alte Heimat und zu ihrem knorrigen Vater, bis hin zum Anpacken ihrer neuen Lebensaufgabe, trifft sie − genau wie der amüsierte Leser − auf jede Menge herzerfrischende, urig-bayerische Charaktere zwischen Tradition und Moderne.

Florian Herb’s 283 Seiten starke weiß-blaue Geschichte rund um

Maria und das Ding mit dem Reinheitsgebot

(ISBN 978-3-548-28759-1) – die das Zeug zur Drehbuchvorlage für einen zünftigen regionalen Fernsehfilm hat – ist im Taschenbuchformat im Ullstein Verlag erschienen und kostet € 9,99.

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