Ich war ein Salafist – Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt / Dominic Musa Schmitz

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Ich war ein Salafist – Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt / Dominic Musa Schmitz

»Ich war ein Salafist – Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt«. Der junge Mann, der unter diesem Titel eine informative Autobiografie über einen einschneidenden Abschnitt seiner Jugend veröffentlichte, fiel uns zum ersten Mal als TV-Gast in der am 11.04.2016 ausgestrahlten politischen Talkshow »Hart aber Fair« auf, in der das Thema Terror im Namen Gottes − hat der Islam ein Gewaltproblem? diskutiert wurde.

Seine interessanten Antworten, auch in einer  Sendung mit Markus Lanz, die wir uns später bei YouTube in der Rückschau angesehen haben, machten uns neugierig: Zum einen auf seine persönliche Geschichte, zum anderen auf seine Insider-Erfahrungen in puncto fundamentalistischer und dogmatischer Islam, der − einschlägigen Presseberichten zufolge − hierzulande offenbar leider nicht in wenigen Moscheen und Gebetshäusern propagiert wird.

In seinen gemeinsam mit dem FOCUS-Redakteur Axel Spilcker aufgeschriebenen Erinnerungen

Ich war ein Salafist – Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt

erzählt der heute 28-jährige Dominic Musa Schmitz, der als Siebzehnjähriger in einer zunehmend von fundamentalistischen Hardlinern dominierten Mönchengladbacher Moschee-Gemeinde zum Islam konvertierte, − sich aber einige Jahre später aus eigener Kraft wieder Schritt für Schritt aus dieser immer aggressiveren Szene lösen konnte −, eindrucksvoll,

  • wie salafistische Missionierungsarbeit funktioniert,
  • was sich hinter den Kulissen rund um das Netzwerk der medienbekannten islamistischen Prediger Pierre Vogel und Sven Lau abspielte, und
  • warum der fundamentalistische Islam für junge Menschen − trotz, oder gerade wegen seiner gefährlichen Nähe zum ideologischen politisch-islamistischen Terrorismus − immer noch verlockend ist.
 Vom Kiffer zum strenggläubigen Konvertiten und rebellischen Eiferer

Nach eigenen Worten lebte Scheidungskind Dominic vor seinem Bekenntnis zum Islam orientierungslos in den Tag hinein. Chillen statt Schule, Kiffen, Saufen, Mädels, angesagte Hip-Hop-Buddys und Rap-Songs bestimmten sein Leben, − bis er durch einen marokkanischen Freund den Koran und die großfamiliäre Atmosphäre in einer strenggläubigen islamistischen Glaubensgemeinschaft entdeckte und sich innerhalb kurzer Zeit innerlich und äußerlich in einen hyperfrommen, puristischen Salafisten verwandelte. Er schloss Freundschaften unter ›Brüdern‹, genoss es, von ihnen anerkennend »Achi« genannt zu werden und hatte bald nur noch einen Wunsch: »Allah zu dienen«.

Musa, der Deutsche

Im August 2005 war es soweit: Nachdem seine Gedanken unablässig nur noch um das Thema Islam kreisten und seine Angst wuchs, als Ungläubiger auf ewig in der Hölle zu darben, sprach er schließlich die Schahāda, das Glaubensbekenntnis der Muslime und konvertierte offiziell zum Islam. Als »Abu Musa al-Almani« tauschte er Jeans und Markenklamotten gegen orientalische Pluderhosen und Kaftan, setzte sich eine Gebetsmütze auf’s Haupt und ließ sich einen Bart sprießen. Musik war ›haram‹ (Tabu), es gab keine Frauen, keine durchsoffenen Nächte und − zumindest vorerst − auch keine Joints mehr. Immer geübter im Umgang mit islamischen Gebräuchen und im Rezitieren von Koransuren gewann ›Musa‹ (Moses) schnell die Sympathie der beiden eingangs genannten deutschen Salafisten-Prediger Pierre Vogel und Sven Lau und durfte ihnen bei ihrer intensiven, zum großen Teil im Internet betriebenen Missionierungsarbeit assistieren.

New Muslim Army

Interessant zu wissen: Im Islam kommt Missionierungen ein großes Gewicht zu. Lassen wir es Dominic Musa Schmitz mit seinen eigenen Worten sagen: ”Die Salafisten glauben, dass sich derjenige, der einen Ungläubigen vom Konfessionswechsel zum Islam überzeugt, alle guten Taten des Konvertiten auf seinem eigenen Lebenskonto gutschreiben lassen kann. Das ist so wie bei einem Schneeballsystem. Der Erste kriegt von allen alles. Das ist der Prophet Mohammed. Und Missionare werden entsprechend der Zahl der neu rekrutierten Gläubigen entlohnt.

Leben in zwei Welten

Konvertit ›Musa‹ ist dem Glauben an Allah treu geblieben, lebt aber mittlerweile den Islam − wie die meisten modernen, aufgeklärten Muslime liberal − , und nicht mehr streng dogmatisch wortgetreu nach Sunna und Scharia, wie zum Zeitpunkt seines Entstehens. Heute tourt der Aussteiger, der jahrelang aktiv für den Salafismus warb, quer durchs Land, um junge Menschen vor radikalen Irrwegen zu warnen.

Digitale Brandstifter?

Mutig nimmt er die Ächtung nicht weniger seiner einstigen »Brüder« in Kauf und wendet  sich sowohl in seinen aktuellen YouTube-Clips, als auch in den Medien offen gegen die Propaganda seiner einstigen Vorbilder Pierre Vogel und Sven Lau, sowie gegen Ibrahim Abou Nagie, den Initiator der umstrittenen Koranverschenkaktion »Lies«. ”Sie treiben Hunderte junger sinnsuchender Menschen mit falschen Dogmen über den Islam den Terrormilizen »Islamischer Staat« (IS) oder Dschunūd asch-Schām in Syrien und im Irak in die Arme, sagt er. “Drei meiner Weggefährten folgten dem Lockruf in den »Heiligen Krieg« gegen die Ungläubigen, die ›Kuffar‹. Einer dieser Dschihadisten kommandiert inzwischen eine „deutsche Einheit“ einer tschetschenischen IS-Truppe.

Erst kürzlich war Dominic Musa Schmitz in einer politischen Talkshow bei »Maischberger« zu sehen, wo er wiederum durch souveränes Auftreten und sachliche Stellungnahmen zum Thema Islam und Islamismus glänzte und einige Missverständnisse hinsichtlich seiner Heirat mit einer Konvertitin richtigstellte.

Mit großem Interesse haben wir seine aufschlussreiche, schonungslos offene und selbstkritische Autobiografie

Ich war ein Salafist – Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt

gelesen, ihn bei seinen beiden Wallfahrten nach Mekka und auf seiner sechs Jahre dauernden Reise − hinein in eine islamistische Parallelwelt und wieder zurück − begleitet. Wir wünschen ihm viel Erfolg bei seiner selbstgewählten neuen Aufgabe, möglichst viele junge Menschen aufzuklären und mit seinen persönlichen Erfahrungen dazu beizutragen, eine Radikalisierung zum aggressiven politischen Islam zu verhindern. Wie kurz der Weg von ideologischer Verblendung zum Terrorismus ist, zeigt der kürzlich in Essen begangene Anschlag zweier blutjunger Täter, die als ›Tempelbomber ihrem muslimischen Glauben einen Bärendienst erwiesen haben, sowie der entsetzliche Angriff eines 17-jährigen Asylbewerbers mit Axt und Messer auf Passagiere eines Regionalzugs bei Würzburg.

Die 251 Seiten starke, aufschlussreiche, fesselnde und lesenswerte Sachlektüre von Dominic Musa Schmitz zur brisanten gesellschaftspolitischen Diskussion rund um den Islam

Ich war ein Salafist – Meine Zeit in der islamistischen Parallelwelt

(ISBN 978-3-430-20213-8), ist als Hardcover-Ausgabe im Econ Verlag erschienen und kostet € 18,00.

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