Ewige Jugend – Commissario Brunettis 25. Fall / Donna Leon

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Ewige Jugend – Commissario Brunettis 25. Fall / Donna Leon

In »Ewige Jugend – Commissario Brunettis 25. Fall« entführt Donna Leon ihre Leser in die Vergangenheit.

Der Auftritt des sympathischen venezianischen Commissario beginnt mit einer Benefizveranstaltung im Palazzo der adligen Eltern seiner Frau Paola. Beim Abendessen trifft Brunetti − neben einheimischen und ausländischen Sponsoren, Gönnern und aktiven Mitgliedern der Salva Serenissima-Stiftung − auch auf die betagte Schirmherrin selbst: Dontessa Lando-Continui, eine alte Freundin seiner Schwiegermutter. Bei dem gesellschaftlichen Event dreht sich selbstredend alles um das Schicksal der altehrwürdigen, von Verfall und Untergang bedrohten idyllischen Lagunenstadt.

Auf ihre bekannte ironische Art outet sich Donna Leon auch in ihrem jüngsten Roman

Ewige Jugend – Commissario Brunettis 25. Fall

erneut als abgeklärte Venedig- und Italienkennerin:

  • Brunettis Tischnachbarn kamen auf die jüngsten Berichte zu dem gigantischen MOSE-Projekt zu sprechen, das Venedig eines Tages vor weiteren Hochwasserschäden schützen sollte. Wie viele Venezianer waren sie von Anfang an überzeugt gewesen, dass die Sache zum Himmel stank. Und dieser Geruch war in den letzten drei Jahrzehnten nur immer noch schlimmer geworden. Brunetti hatte zu viel gehört und gelesen, um irgendwelche Hoffnungen zu haben, dass die komplizierte und pharaonisch teure Konstruktion aus riesigen Stahlbarrieren, die das Meerwasser aus der Lagune fernhalten sollte, jemals funktionieren würde. Sicher war nur, dass die Unterhaltskosten jedes Jahr steigen würden. Federführend bei den zurzeit laufenden Nachforschungen nach wer weiß wie vielen verschwundenen Millionen war die Guardia di Finanza: Die örtliche Polizei wusste davon nicht viel mehr als das, was in den Zeitungen stand. Nach den ersten Enthüllungen über das Ausmaß der Zweckentfremdung europäischer Fördermittel hatte man in der Stadtverwaltung rote Köpfe bekommen, erst vor Zorn, dann vor Verlegenheit, als ein hoher Beamter zunächst seine Unschuld beteuerte, dann aber doch eingestand, dass möglicherweise ein Teil der für das MOSE-Projekt bestimmten Gelder in die Finanzierung seines Wahlkampfes geflossen sei. Aber niemals habe er einen einzigen Euro für sich persönlich verwendet, beteuerte er, offensichtlich in der Annahme, dass ein gekaufter Wahlsieg weniger verwerflich sei als der Kauf eines Brioni-Anzugs. Brunetti liebäugelte kurz damit, sich entrüstet zu zeigen, aber sein gesunder Menschenverstand sagte im, dass Empörung fehl am Platz war. Besser, man betrachtete den Fall wie ein Neapolitaner und sah das alles als Theater, als Farce, bei der unsere Politiker ganz in ihrer Rolle aufgingen.

Ewige Jugend – Commissario Brunettis 25. Fall

Nicht lange nach diesem Abend lädt ihn die resolute, trotz ihres hohen Alters immer noch leidenschaftlich für die Zukunft Venedigs engagierte Grande Dame in ihren eigenen Palazzo vor und konfrontiert ihn bei einem sündhaft guten, erlesenen schottischen Whisky mit einem großen persönlichen Anliegen: Vor ihrem Tod möchte sie noch unbedingt zu erfahren, wie es zu dem tragischen Unfall kam, der ihre geliebte Enkelin Manuela auf immer zu »ewiger Jugend« verdammte. Die mittlerweile dreißigjährige junge Frau stürzte vor 15 Jahren unter mysteriösen, ungeklärten Umständen von einer Brücke in einen Kanal. Zwar wurde das verletzte Mädchen seinerzeit von einem stadtbekannten Säufer vor dem Ertrinken gerettet und von einem dazu eilenden anderen Passanten wiederbelebt, erlitt aber durch den minutenlangen Sauerstoffmangel einen irreparablen Gehirnschaden, der es unwiderruflich auf den geistigen Entwicklungsstand eines siebenjährigen Kindes zurückstufte. Ihr betrunkener Retter wollte einen Mann gesehen haben, der sie ins Wasser stieß; konnte sich aber später angeblich nicht mehr an seine Aussage erinnern.

Doch wie schafft es Brunetti offizielle Ermittlungen zu einem solange zurückliegenden Verhängnis aufzunehmen, das seinerzeit von den Behörden als bedauerlicher Unfall abgetan wurde? Nur gut, dass es sich bei Großmutter Lando-Continui um eine alteingesessene Venezianerin, noch dazu von hohem Rang handelt, und dass die chronische Geltungssucht seines eitlen Chefs, Vice-Questore Patta nach gesellschaftlicher Anerkennung ungebrochen ist. So darf er mit Hilfe von dessen computerversierter Sekretärin Signorina Elettra (die sich wie immer im Dauer-Kleinkrieg mit Pattas intrigantem sizilianischen Kettenhund ›Scarpa‹ befindet), den Fall neu aufrollen. Um an vertrauliche Informationen zu gelangen, sind ihm kein Strapaze, kein Muskelkater und keine Blasen an den Händen zu viel, als er sich entschließt, ein ganzes Wochenende mit seinem Schulfreund Lolo beim ungewohnten und anstrengenden Rudern in der Lagune zu verbringen.

Nach und nach erfährt Brunetti sowohl immer mehr zum eigentlichen Vorfall, als auch aufschlussreiche Internas zur Familie und Person des Opfers, das vor dem tragischen Unfall einen Großteil seiner Freizeit auf einem Reiterhof auf dem Festland zubrachte und sogar ein eigenes Pferd besaß. Nicht zuletzt deswegen bezieht er seine taffe Kollegin Claudia Griffoni, die ebenfalls eine große Anhängerin des Pferdesports ist, in seine Ermittlungen mit ein. Zu zweit suchen sie Manuela − die nach Scheidung und Wiederverheiratung des Vaters bei ihrer alleinstehenden Mutter lebt − auf. Die liebreizende, kindlich gebliebene junge Frau schafft es binnen eines Nachmittags bei Kaffee und Kuchen, die Herzen der beiden zu erobern und verstärkt unbewusst die Motivation, den geheimnisvollen Unbekannten ausfindig zu machen, der für ihren Zustand verantwortlich ist.

Nicht von ungefähr heißt es: »Gottes Mühlen mahlen langsam, aber trefflich fein«. Nach einigen Rückschlägen und Ermittlungsstaus wird Brunetti zu guter Letzt für seine hartnäckige und nicht immer ganz gesetzeskonforme Polizeiarbeit belohnt. Seine intensiven Ermittlungen im Reitstall, ein alter ärztlicher Untersuchungsbericht, der verdächtige Mord an Signor Cavani, dem einzigen Augenzeugen der Tragödie und benutzte Telefonkarten in seinem Müll, eine zufällige Begegnung in einer engen Gasse, ein kaputter Regenschirm und ein Einstecktuch mit DNA bringen den findigen Commissario schließlich auf die richtige Spur: Auch wenn der kaltblütige und gewissenlose Täter wegen seinem zwischenzeitlich verjährten Verbrechen an dem traumatisierten Mädchen nicht mehr belangt werden kann, gelingt es Brunetti mit Hilfe seiner nicht weniger findigen Kolleginnen Claudia Griffoni und Elettra Zorzi, den Missetäter wegen des von ihm verübten gleichermaßen brutalen, als auch sinnlosen Mordes an dem Erpresser Cavani zu überführen.

Auch Donna Leons jüngster Roman

Ewige Jugend

liest sich leicht und wird das Herz jedes treuen Fans ihrer Venedig-Romane rund um Commissario Brunetti, sein Team und seine Familie erobern. Der 322 Seiten starke Krimi an hat es deshalb wie gewohnt schnell auf Platz 1 der Spiegel-Bestseller-Liste gebracht.

Ewige Jugend – Commissario Brunettis 25. Fall

(ISBN Nr. 978-3-257-06969-3) ist im Diogenes Verlag erschienen und kostet € 24,00.

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