Endlich mein / Donna Leon

Endlich mein − Der neue Venedig-Bestseller von Donna Leon
Endlich mein − Der neue Venedig-Bestseller von Donna Leon

Genau wie die treuen Fans von Donna Leon und des von ihr erschaffenen charmanten Commissario »Guido Brunetti« das Erscheinen seines 24. Falls mit dem Titel »Endlich mein« begrüßen, wird auch die eigenwillige Operndiva »Flavia Petrelli« in der Titelrolle der »Tosca« im venezianischen Opernhaus »La Fenice« von ihrem Publikum hofiert und gefeiert.

Aber jede Popularität hat bekanntlich auch ihre Schattenseiten. Nicht ohne Grund lässt die in Venedig lebende amerikanische Bestsellerautorin Donna Leon ihre Romane nicht in die italienische Sprache übersetzen.

Eine kluge Vorbeugungsmaßnahme, um vor Ort relativ unerkannt leben und im Sinne ihrer Romane, − die fast immer um brisante, oft für Italien typische gesellschafts- und sozialpolitische reale Themen kreisen − , unbehelligt recherchieren zu können. Glücklich schätzen kann sich überhaupt Jedermann, der nie das Opfer von übertriebener Vergötterung und krankhaftem Verfolgungswahn wird.

Im Falle der seit einiger Zeit nach jedem Bühnenauftritt mit einem Meer von gelben Rosen überschütteten Primadonna, wird jedoch der schmale Grad von anfänglich schwärmerischer Bewunderung bis hin zu beängstigendem, immer besitzergreifenderem Stalking durch einen offensichtlich geistig verwirrten ›anonymen‹ Verehrer schleichend überschritten. So, wie die Handlung in der Oper »Tosca« von Akt zu Akt an Dramatik zunimmt, steigert auch der eifersüchtige Stalker seine Attacken und schreckt nicht davor zurück, immer aggressiver jedes Hindernis und jede vermeintliche Konkurrenz konsequent beiseite zu räumen. In zunehmender Verzweiflung wendet sich die von dem unheimlichen Unbekannten bedrängte Operndiva endlich an ihren alten Freund »Guido« bei der venezianischen Polizei. Brunetti und sein Team können jedoch erst, nachdem eine talentierte junge Sängerin die Treppe hinuntergestoßen und ein langjähriger Freund der Primadonna in einem Parkhaus am Piazzale Roma niedergestochen werden, offizielle Ermittlungen aufnehmen.

Dabei kommt der Commissario dem gefährlichen Stalker im nächtlichen Venedig erstaunlich nahe: ”An der Brücke nach San Vio riet ihm sein Instinkt, sich umzusehen, und tatsächlich erblickte er rechts eine Gestalt, eigentlich nur eine halbe Gestalt, an der Stelle wo eine „calle“ an der „riva“ endete. Er sah einen Mantel, vielleicht einen Regenmantel, vielleicht einen Schal. Vor Schreck strauchelte Brunetti und trat schwer mit dem linken Fuß auf. Die Tasche rutschte ihm von der Schulter, und als er sich wieder gefangen hatte, war die Gestalt nicht mehr da, nur noch ihre leiser werdenden Schritte waren zu hören ….”

Aber buhlt der Stalker wirklich nur um die ungeteilte Aufmerksamkeit seines auserwählten Opfers, oder giert er durch sein immer ungenierter und bedrohlicher in Szene gesetztes Agieren gleichsam selbst nach Applaus? Wie weit wird er gehen, um wenigstens einmal Gehör zu finden und in die Rolle der »Tosca« zu schlüpfen? Man hört ihn (oder ist der Stalker vielleicht in Wahrheit eine »sie«?) förmlich einem unsichtbaren Publikum zurufen: ”Endlich mein“.

In Anwesenheit des Commessiario und seines treuen Vasallen »Vianello« endet die außer Kontrolle geratene Tragödie letztendlich in den Kulissen der Oper ebenso abrupt wie überraschend mit tödlichem Finale: Dem Kuss der »Tosca«.

Doch geht es in Donna Leon’s neuem Venedig-Bestseller

Endlich mein

nicht nur um die Rolle der »Tosca«, das öffentliche und private Leben eines gefeierten Opernstars, paranoides Stalking und grenzwertige Geschehnisse vor und hinter den Kulissen eines renommierten Opernhauses in der altehrwürdigen Lagunenstadt Venedig, sondern u. a. auch um Intrigen hinter den Fassaden der venezianischen Polizei. Amüsant wieder einmal mehr zu lesen, wie die taffe Sekretärin des Vize-Questore »Patta«, − die jedem Donna Leon-Fan bestens bekannte Signorina »Elettra« − , mit Hilfe ihres Computers und ihren hackerischen Fähigkeiten die Probleme rund um eine von ihrem Erzfeind hinterhältig angezettelte Suspendierung auf unkonventionelle Art und Weise löst.

Der 307 Seiten starke Krimi

Endlich mein

(ISBN 978-3-257-06943-3) ‒ eine Liebeserklärung an Venedig und die italienische Oper ‒ ist wie alle Romane von Donna Leon als gebundene Ausgabe im Schutzumschlag beim Züricher Diogenes Verlag erschienen und kostet € 24,00.

Donna Leon’s sympathischer Ermittler »Commissario Brunetti« ist seit Jahren Kult. Man darf gespannt sein, was ihn und die anderen venezianischen Romanfiguren, die einem festen Leserkreis im Laufe der Jahre ans Herz gewachsenen sind, im 25. Fall − der unter dem Titel »Ewige Jugend« im Juni 2016 erscheinen wird − erwartet.

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2 Gedanken zu „Endlich mein / Donna Leon

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