Tod zwischen den Zeilen / Donna Leon

Tod zwischen den Zeilen / Donna Leon
Tod zwischen den Zeilen / Donna Leon

In seinem 23. Fall »Tod zwischen den Zeilen« ermittelt Donna Leons charmanter venezianischer Commissario »Guido Brunetti« in der Welt der Bücher. Genauer gesagt in der Welt der altehrwürdigen, antiquarischen Literatur, die jedoch − wie auch andere von Sammlern heiß begehrte Kunstwerke −  nicht zwangsläufig auf dem freien Markt erhältlich sind. Sind passionierte Sammler bereit, jeden Preis zahlen? Rechtfertigt ungehemmte Gier unter dem Mäntelchen der »Sammelleidenschaft« Diebstahl, Erpressung und Hehlerei? Lauert gar der

Tod zwischen den Zeilen ?

Die Chefbibliothekarin der altehrwürdigen Biblioteca Mercula, Dottoressa Fabbiani, meldet Brunetti ein Verbrechen der besonderen Art: Zu ihrem Entsetzen musste die Direktorin soeben mehrere kostbare Exemplare alter Schriften »ruiniert« vorfinden. Sowohl einzelne Seiten mit handkolorierten Illustrationen waren herausgeschnitten und entwendet, als auch ‒ wie sich kurze Zeit später herausstellt ‒ komplette Bände gestohlen worden. Unter Verdacht steht ein flüchtiger amerikanischer Wissenschaftler und Literaturliebhaber. Nach Auskunft des diensteifrigen Wachmanns Piero Sartor war der mutmaßliche Bücherdieb allerdings nicht allein im Lesesaal …..

Hat vielleicht Aldo Franchini, ein ehemaliger Priester und Dauergast der Bibliothek mit dem Spitznamen »Tertullian«, etwas beobachtet?

Bevor es jedoch richtig zur Sache geht, gibt es in »Tod zwischen den Zeilen« erst einmal ein kleines aber feines Bashing à la Donna Leon für käufliche, gesinnungslose Venezianer und andere: Die gesellschaftskritische Grand Dame und Wahlitalienerin lässt es sich auch in ihrem neusten Venedig-Krimi nicht nehmen, die Korruptheit italienischer Eliten, Staatsdiener und Politiker aufs Unterhaltsamste anzuprangern. Schlichtweg super der Dialog ganz am Anfang des Buches ‒ quasi auf dem Weg zum Tatort ‒ zwischen Brunetti und dem Polizeibootsführer Foa. Eine Konversation, die harmlos mit der Schilderung rund um das Prozedere einer Bestellung von Navigationsgeräten beginnt und bei den Tücken demokratischer Mehrheitsbeschlüsse endet. Im Fall hier geht es speziell um einen  Mehrheitsbeschluss der nötig wäre, um das Anlegen immer riesigerer Kreuzfahrtschiffe vor der Lagune zu verhindern, die langsam aber sicher Welle für Welle das jahrhundertealte Fundament und Mauerwerk von Venedig zerschlagen:

»Ich habe nie verstanden, warum man die Zuständigkeiten so aufgesplittet hat«, sagte Brunetti. Daraufhin lächelte Foa so allwissend und von oben herab wie ein Lehrer, der es mit einem begriffsstutzigen Schüler zu tun hat. »Glauben Sie, dass acht verschiedene Gremien jemals zu einer gemeinsamen Entscheidung kommen können?« Endlich dämmerte es Brunetti: »Und nur eine gemeinsame Entscheidung wird die Kreuzfahrtschiffe von uns fernhalten« ‒ eine Schlussfolgerung, die Foas Grinsen noch breiter werden ließ. »Und so können sie endlos hin und her diskutieren«, sagte der Bootsführer mit unverhohlener Bewunderung dafür, wie raffiniert sich die diversen Gremien den Kuchen aufteilten. »Beziehen ihr Gehalt, veranstalten Dienstreisen in andere Länder, um sich kundig zu machen, halten Konferenzen ab, auf denen Projekte und Pläne zerredet werden. Oder sie engagieren sogar die eigenen Frauen und Kinder als Berater.«

Ob es Zufall ist, dass dieses kurze Paradebeispiel italischer Verhältnisse an ähnliche Steuerverschwendungsmachenschaften ‒ die mittlerweile auch hierzulande immer häufiger Schule machen ‒ erinnert?

Da es sich bei den beschädigten und gestohlenen Büchern um eine private Spende der Contessa Morosini-Albanis, einer guten Freundin von Brunettis aristokratischer Schwiegermutter handelt, holt der Commissario zunächst diskret im kleinen erlauchten Kreis weiterführende Informationen zu alten Bücher und den schwarzen Märkten, auf denen sie zum Teil gehandelt werden, ein. Leider bleibt es ihm im Zuge der Ermittlungen nicht erspart, auch seinen leicht bis mittelschwer exzentrischen Chef, Vize-Questore Patta, über die Angelegenheit zu unterrichten. Mit Hilfe von Pattas Sekretärin, Signorina Elettra, geht Brunetti allen Spuren nach und macht sich zusammen mit seinem engsten Mitarbeiter Vianello auf die Suche nach dem wichtigsten Zeugen. Wie immer ermitteln die beiden zu Fuß und genießen in den Gassen, beim Überqueren der vielen Piazzas, Campis und Brücken der wunderschönen Lagunenstadt die Rückkehr des Frühlings, sowie das eine oder andere Gläschen Wein. Mitten in diese Suche platzt ein Anruf: Der gesuchte Aldo Franchini wurde von seinem jüngeren Bruder tot aufgefunden! Commissario Brunetti findet in der Wohnung des Toten jedoch nicht nur jede Menge Blut, Stiefelabdrücke und die brutal zugerichtete Leiche, sondern auch zahlreiche alte, wertvolle, gestohlene Bücher …..

Fast sieht es so aus, als ob der

Tod zwischen den Zeilen

ungesühnt bleibt. Aber letztendlich wird dem spielsüchtigen Mörder, auch wenn er unerkannt entkommen konnte, biederer Geiz zum Verhängnis. Mehr sei hier nicht verraten, nur dieses noch: Einige Dinge bleiben im Dunklen. Warum nahm der Täter nicht einmal eines der kostbaren Bücherbände mit, wenngleich er schon in Rage einen Menschen um des Geldes willen prügelte und zu Tode trat? Aber lesen Sie selbst! Vielleicht finden Sie die richtige Antwort.

Der 277 Seiten starke Krimi

Tod zwischen den Zeilen

(ISBN 978-3-257-06929-7) ‒ ein Muss für alle treuen Donna-Leon-Fans ‒ ist wie alle Commissario Brunetti-Romane als gebundene Ausgabe im Schutzumschlag beim Züricher Diogenes Verlag erschienen und kostet € 23,90.

Venedig und sein besonderes Flair machen süchtig auf mehr Morde aus Donna Leons Feder. Dieses Mal müssen ihre Anhänger nicht allzu lange warten. Noch in 2015  (Erscheinungsdatum 25. November) unter dem Titel  »Endlich mein« löst der sympathische Commissario seinen 24. Fall. Auch dieser neue Venedig-Krimi hat inzwischen die Bestsellerlisten erklommen und wurde von uns rezensiert.

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